Keramik

Bezaubernde Buntheit aus Meisterhand

Die berühmte türkische Keramik blickt auf eine über 700-jährige Tradition zurück und überzeugt noch heute – mit ihren leuchtend bunten Farben, ihren Motiven und ihrer handwerklichen Qualität.

 

Die osmanisch-türkische Keramikkunst hat ihre Wurzeln in China und Persien sowie in den einzigartigen Fayence-Fliesen der Seldschuken. Seit dem 14. Jahrhundert entwickelte sie ihre eigene Form- und Motivsprache, die zuerst vorwiegend auf Kacheln für Moscheen, Brunnen und Bäder verwendet wurde. Blumen und Pflanzen, geometrische Ornamente oder arabische Kalligraphien bildeten die Hauptelemente und wurden in immer neuen Kombinationen variantenreich zusammengesetzt.

Iznik und Kütahya
Keramikfliesen aus Iznik an der Istanbuler Rüstem Pasa Moschee

Im 15. Jahrhundert stiegen die westtürkischen Kleinstädte Iznik und Kütahya zu eigentlichen Keramikzentren auf. Neben Fliesen für Palast- und Moscheebauten wurden immer mehr auch Gefässe produziert und – angeregt durch Motive aus Koran- und Miniaturmalerei – mit filigraner Ornamentik bemalt. Keramikkünstler aus anderen Ländern, neue Farbpigmente und Glasurtechniken, Textilmuster höfischer Kleidung sowie Stickereien brachten weitere Dekorideen und Entwicklungen. Ihre Blütezeit fand die osmanische Keramik im 16. Jahrhundert. Tulpen, Rosen, Nelken und Hyazinthen schmücken in naturalistischem Stil prächtige Bauten und spiegeln den Farb- und Formenreichtum herrschaftlicher Gärten oder Paradiesfantasien wider. Viele der schönsten Moschee-Fliesen der Türkei stammen aus dieser Zeit.

Aufstieg und Niedergang

Den Niedergang der osmanischen Keramikproduktion wurde durch aussen- und innenpolitische Probleme am Übergang zum 17. Jahrhundert eingeläutet. Viele Keramikstätten verloren ihre Aufträge durch den Sultanshof und hatten gleichzeitig mit Qualitätsverlusten beim Rohmaterial zu kämpfen. Innerhalb von nur fünfzig Jahren verringerte sich die Zahl der Werkstätten in Iznik von dreihundert auf neun. In Kütahya konnte eine ähnliche Entwicklung durch verstärkte Nachfrage von Privatkunden aufgehalten werden. Insgesamt aber nahm die Qualität der Keramik ab und es entstanden weder neue Stile noch technische Weiterentwicklungen.

1894 beginnt die moderne industrielle Fertigung von Fliesen in Istanbul. Dabei wurden historische Stücke für den Privatgebrauch, aber vor allem auch für denkmalpflegerische Restaurationsarbeiten hergestellt. Das dazu nötige aber verloren gegangene Wissen über die alten Techniken wurde interessanterweise über europäische Porzellanfirmen ins Osmanische Reich zurück importiert. Diese hatten sich jahrzehntelang von islamisch-osmanischer Keramikkunst inspirieren lassen, Fliesen und Gefässe gesammelt, als Ausbildungsstücke in ihren eigenen Produktionsstätten verwendet und ihre Herstellungstechnik wissenschaftlich untersucht.

Neuer Aufschwung durch Tourismus
Tulpe und Blütenmotive auf einer modernen Keramikschale

Mitte des 20. Jahrhunderts besann man sich in der türkischen Keramikproduktion erneut auf die seldschukischen und osmanischen Formen und Stile. Man gründete Hochschulen, um wieder an die historischen Kunstfertigkeiten anknüpfen zu können. Zudem wurden industrielle Fertigungsmethoden für Fliesen und Gebrauchskeramik sowie Porzellan weiterentwickelt, v.a. für die rapide gestiegene Nachfrage im Inland.

Neben der industriellen Produktion erlebte die kunsthandwerkliche Keramikherstellung in Iznik und Kütahya einen neuen Aufschwung durch den Tourismus. Die Schalen und Schälchen, Dosen, Vasen, Teller, Schüsseln, Figuren und Kacheln werden nach wie vor in höchster Qualität und Meisterschaft von Hand bemalt und bezaubern durch Farb- und Motivvielfalt. Es ist ein grosses Interesse daran spürbar, einerseits die klassische Ornamentik und Formsprache in ihrer Schönheit zu erhalten und gleichzeitig einem neuen Ausdruck zuzuführen.

Wir freuen uns bei jeder unserer Einkaufsreisen darauf, für Sie aus all der wunderschönen Keramik die allerschönsten Teile auszusuchen.