Tellerjupes

Tellerjupes in vielen Farben

Was man nicht findet, lässt man produzieren

Was im Wohnzimmer unserer Schwägerin als Prototyp nach einem Zeitungsschnittmuster begann, wird heute professionell in einem Istanbuler Atelier aus Stoffen unserer Wahl genäht: Tellerjupes für den orientalischen Tanz.

 

Vor vielen Jahren begannen wir, unser Angebot an Zubehör für den orientalischen Tanz aufzubauen. In Istanbul fanden wir schöne Münzentücher und -gürtel, Pluderhosen, Schleier, Kopfschmuck und vieles mehr. Nur etwas war nicht aufzutreiben: ein schlichter Tellerjupe aus hochwertigem, blickdichtem Material. Immer wieder fragten Kundinnen und Kolleginnen aus der Tanzklasse danach, auf jeder Reise suchten wir vergeblich.

Was man nicht findet, muss man produzieren lassen. Eine Freundin überliess uns das Schnittmuster ihres kreisrunden Tanzrockes, das sie auf dem Wohnzimmerboden aus Zeitungen zusammensetzte. Mit Hilfe dieses Papiers und aus vier Metern Cupro nähte unsere Schwägerin Rüveyde im zentralanatolischen Konya einen ersten Prototyp. Der weich fallende, beinahe knitterfreie Stoff gefiel und bewährte sich derart, dass wir bei der nächsten Reise anfingen, in Istanbul die Fachgeschäfte nach passenden Farben abzuklappern und die Stoffballen dann nach Konya mitzunehmen. Dort mussten bald Rüveydes Mutter und Schwester und Schwägerin mithelfen, die immer höheren Stückzahlen zu fertigen.

Vom Wohnzimmerboden ins Atelier
ein dunkelroter Tellerjupes mit Münztuch

Bald merkten wir, dass nur ein professionelles Atelier mit der rasant steigenden Nachfrage Schritt halten konnte. Wir baten ein befreundetes Istanbuler Paar um Rat. Zühal ist Modezeichnerin und Hasan führt ein erfolgreiches Textilunternehmen. Wir sollen ihnen doch einfach die Stoffe bringen, dann könnten ihre Leute die Tellerröcke zwischen anderen Aufgaben nähen, meinten die beiden und liessen gleich per Computer die Schnitt-Daten in zwei Grössen berechnen. Nach viel Tee und einer kleinen Betriebsführung war unsere Abmachung perfekt.

Seit bald fünfzehn Jahren lassen wir jetzt in Hasans Atelier produzieren, und der Stoffkauf ist das oft das erste, was wir in Istanbul jeweils erledigen. Früher schleppten wir die Stoffballen selber aus dem Bazar zum nächsten Taxistand und fuhren im Stossverkehr durch die halbe Stadt, um sie abzugeben. Heute erledigt das Ahmet, ein befreundeter Händlers für uns, wodurch wir einen halben Tag gewinnen. Während der zwei Wochen, in denen wir in der Türkei jedesmal unterwegs sind, um neue Waren zu kaufen, werden die Jupes dann genäht und in Taschen bereitgestellt. Wenn wir sie an einem der letzten Abende abholen gehen, sind wir immer auch bei Zühal und Hasan zum Abendessen eingeladen.

Neuer Stoff, neue Farben
Stoffeinkauf bei Mustafa

Der beliebte Cupro-Stoff wird in Istanbul mittlerweile wohl nicht mehr verkauft. Wir haben jedenfalls sämtliche Stofflager der Basarhändler erfolglos durchkämmt. Aber wir haben einen wunderschönen Satin gefunden, der in vielen Farbtönen erhältlich ist, ebenso weich fliesst und durch seinen sanften Glanz jedes Tanzkostüm aufwertet. Verkauft wird er von Mustafa im Bursa Pazarı unterhalb des Grossen Basars. Seit über 40 Jahren ist der 1952 Geborene bereits schon hier tätig und hat sich vom Lehrling zum Geschäftsführer und Chef von 10-15 Angestellten hochgearbeitet.

Der Einkauf bei Mustafa in seinem grossen Stoffparadies ist jedes Mal ein Erlebnis. Er lässt uns türkischen Mokka servieren und breitet dann liebvoll seine Schätze vor uns aus. Von spezielleren Farben wie Lavendel, Kupfer, Zimt, Himbeere, Pistache, Gold oder Aubergine kaufen wir so viele Meter, dass es je für zwei Tellerröcke reicht. Schwarz, Rot, Bordeaux und andere «Dauerbrenner» werden in grösserer Stückzahl produziert. Ja, natürlich, immer noch in Hasans Atelier, in der gewohnten Qualität.