Unsere Händler und Produzentinnen

Ahmet Aksu mit Necati im Taschenladen

Die Menschen hinter unseren Waren

In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich der Kreis der Menschen, mit denen wir in der Türkei zusammenarbeiten, stetig erweitert. Aus flüchtigen Bekannten wurden Kollegen, aus Geschäftspartnern wurden Freunde und aus Schwägerinnen und Freundinnen wurden Produzentinnen, mit denen wir neue Projekte aushecken. Hier stellen wir Ihnen die wichtigsten aus Konya und Istanbul vor.

 

Die meisten unserer Händler und Produzentinnen sind für uns viel mehr als Geschäftspartner. Wir treffen sie, wie man Freunde trifft, tauschen Geschenke aus, essen und trinken gemeinsam, teilen Erfahrungen, diskutieren über Gott und die Welt. Im Laufe der Jahre konnten wir mitverfolgen, wie sich ihr Geschäft entwickelt, wie ihre Kinder aufwachsen, welche Sorgen sie plagen und was sie glücklich macht.

Und sie wiederum wissen, was uns gefallen könnte, legen besondere Stücke beiseite, organisieren spezielle Aufträge oder bringen von zu Hause Früchte und Kuchen mit. Viele ihrer Waren würden wir vielleicht auch irgendwo anders finden, vielleicht in grösserer Auswahl, vielleicht sogar günstiger. Ihre langjährige Freundschaft aber ist für uns unbezahlbar. Gönülden tesekkür ederiz!

Hüseyin
Hüseyin
Hüseyin

Hüseyin ist seit einigen Jahren unser Hauptlieferant für die so beliebten pestemal-Hamamtücher. Er arbeitet im Laden des Händlerverbands-Präsidenten, ist dabei aber so rührend und bescheiden geblieben wie sein Arbeitskollege Nejat. Oft gilt unser erster Besuch im Grossen Basar ihm. Wir trinken ein Tässchen türkischen Kaffee, tauschen Neuigkeiten aus, lassen ihn von Frau und Kindern erzählen.

Dann zeigt er uns die neuesten Modelle und Farben seiner vielen schönen Tücher, zählt auf, was noch kommt in den nächsten Tagen und notiert unsere Wünsche. Bis zum Ende unserer Einkaufstour wählen wir jedes Mal bis zu dreihundert pestemal bei ihm aus. Die und noch viele weitere Waren, die wir im Laufe der Tage zusammensuchen, können wir im lauschigen Hinterhof des Ladens lagern. Am Ende verpacken wir sie eigenhändig, zusammen mit dem stillen, höflichen Nejat, in von ihm vorbereitete Kartons. Der gemeinsame Tee zu Dritt nach getaner Arbeit gehört zu den schönsten Momenten unseres Einkaufsmarathons.

Ahmet Aksu
Ahmet Aksu
Ahmet Aksu

Ahmet war als junger Bursche angestellt bei Mehmet, unserem Münzentücher-Händler. Vor einigen Jahren wechselte er zu einem Taschen- und Deckenhändler, wo er ebenso erfolgreich verkaufte. Vor kurzem nun hat er die Chance gepackt, einen der schwierig zu ergatternden Läden im Grossen Basar von Istanbul mieten zu können, um sich selbständig zu machen. Vor einigen Jahren hat er zudem geheiratet und ist mittlerweile Vater von zwei Kindern.

Wir kaufen bei ihm Taschen aus Suzanistoffen sowie Kissenhüllen und Decken aus orientalisch gemusterten Webstoffen. Seit Jahren übernimmt er zudem die Koordination unserer Waren-Transporte, indem er mit den TNT-Spediteuren Frachtkosten verhandelt, Papiere ausfüllt und dafür sorgt, dass alle unsere Kartons und Kisten bei den verschiedenen Händlern abgeholt und verschickt werden. Wir schätzen an Ahmet seine Zuverlässigkeit, seinen umwerfenden Humor und seine lustigen Anekdoten aus dem Basar, die er uns jeweils bei Tee oder Kaffee erzählt.

Sadık Kızılcık
Sadık Kızılcık
Sadık Kızılcık

Sadık Kızılcık kommt ursprünglich aus Gaziantep, der Hauptstadt der Messing- und Kupferverarbeitung. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Istanbul. Wir beziehen bei ihm Tablette, Kaffeepfännchen, Teekannen, Zuckerdosen, Hamamschalen und alles, was man sonst aus Metall herstellen kann. Wir schätzen seinen professionellen Eifer und seinen grossen Einsatz beim Aufstöbern und Verschicken unserer Waren.

Gerne nehmen wir jeweils auch Sadıks Einladungen zu Tee, Toast oder Süssspeisen an. Wie alle Leute aus Gaziantep versteht er was vom Essen und weiss, welcher Imbissstand im Grossen Basar grad frischen Pudding gekocht, wilde Brombeeren bekommen oder eine neue Zwischenverpflegung entwickelt hat. Dann diskutieren wir über Gott und die Welt und die Politik und ziehen anschliessend gestärkt weiter.

Tarkan
Tarkan, der Keramikhändler
Tarkan

Tarkan ist verheiratet, junger Vater und lebt in Istanbul. Er hat sich im Basar vom Ladenjungen zum Besitzer eines grossen Keramikgeschäftes hochgearbeitet und daneben ein Wirtschaftsstudium absolviert. Aus seinem riesigen Angebot wunderschöner, handbemalter Kütahya-Keramik haben wir uns verschiedene kleine Schalen, Teller, Dosen und Kacheln ausgesucht. Wir schätzen Tarkans Kennertum, seine treuherzige, liebenswürdige Art, das Vertrauen, das er uns entgegenbringt, seine Professionalität und seinen sorgfältigen Umgang mit der zerbrechlichen Ware.

Emin
Emin
Emin

Emin führt in einem versteckten Hinterhof des Grossen Basars eines der grossartigsten Geschäfte für zentralasiatische Textilien wie Suzanis oder Ikats am Meter, die er selber importiert und zu neuen Produkten wie Kissen, Patchworkdecken, Täschchen oder Wandbehängen verarbeitet. Seine Fachkenntnisse und Fantasie beeindrucken uns ebenso wie seine stille Bescheidenheit und Menschlichkeit. Nicht selten nimmt er mit seiner Familie irgendwelche Nachbarn zum Grill-Picknick mit, die sich selber kein Fleisch leisten können.

Muammer und Mustafa
Muammer und Mustafa
Muammer und Mustafa

Muammer und Mustafa sind Brüder, um die 30 Jahre alt und zusammen mit ihrem Vater Mehmet Inhaber eines Ateliers für Pantoffeln aller Art in Konya. Seit Jahren ihr wichtigstes Produkt: die sogenannten «mest», ein Füssling aus Leder, den die Derwische zum Drehen brauchen und viele Türkinnen und Türken als unverwüstliche «Strümpfe» unter Gummischuhen tragen.

Muammer und Mustafa erfreuen uns bei jedem Einkauf mit neuen «Erfindungen» und Ideen. Und immer sind sie bereit, unsere Vorstellungen von Fussbekleidungen und ihre handwerklichen Möglichkeiten zu vereinen. Sie stellen speziell für Fanafillah weiche Tanzschühchen aus buntem Leder her, Pantöffelchen aus traditionellen Stoffen mit Ledersohle und -futter sowie neu Babouches nach marokkanischem Vorbild (>mehr). Wir schätzen ihren unverwüstlichen Eifer, ihre saubere, speditive Arbeit und die Bereitschaft, für ein Leder in einer bestimmten Farbe für uns die zehnstündige Busfahrt nach Istanbul auf sich zu nehmen (auch wenn sie gerade von dort zurückgekommen sind).

Rüveyde Çanak
Rüveyde Çanak
Rüveyde

Rüveyde ist verheiratet mit Necati Çanaks Bruder Ibrahim. Die älteste Tochter Refika hat ein Veterinärstudium abgeschlossen, die mittlere, Esra, hat eine Marketing-Fachschule besucht und die jüngste, Büsra, hofft für ihre Kochleidenschaft eine Ausbildung zu finden. Die Familie lebt in Konya, zwei der Mädchen sind seit 2012 verheiratet.

Rüveyde umhäkelt für uns seit Jahren Chiffon-Hüfttücher für den Orientalischen Tanz mit Münzrändern in verschiedenen Kombinationen. Wir schätzen ihre feine, saubere Arbeit und ihren Farbensinn, ihren Humor, ihre unermüdliche Treue und ihre Gastfreundschaft bei unseren Aufenthalten in Konya. Zusammen mit ihrem Mann koordiniert sie auch unsere Aufträge für die Häkelränder an den Foulards der Handdruckerin Sonnhild Kestler (>sonnhildkestler.ch).

Alper Özadam
Alper Özadam
Alper

Alper lebt mit seiner Frau in Konya, seine Söhne studieren in Istanbul Architektur und Bauingenieurwesen. Er führt im Untergeschoss einer Ladenpassage ein Geschäft für Aussteuer-Textilien, die bei Hochzeiten im klassischen Anatolien nach wie vor eine grosse Rolle spielen: Bettzeug, Frottierwäsche und wunderschöne Spitzendecken in Nadel- oder Häkelspitze etc., die er von kunstfertigen Frauen in Heimarbeit herstellen lässt.

Wir kaufen bei Alper verzierte Kopftücher, an deren Kanten wir immer wieder neue «oya»-Blümchen und -Spitzen entdecken (>mehr). Meist legt er uns auch alte Exemplare zur Seite, die ihm von Frauen angeboten werden, die ihre Aussteuerstücke zu Geld machen wollen. Ebenso beziehen wir bei ihm handgestrickte Bettfinken, die in der Türkei gerne auch als Besuchspantöffelchen in der Handtasche mitgenommen werden.

Vor allem aber gehen wir gerne zu Alper, weil man mit ihm über Gott und die Welt diskutieren kann und er ein ganz feinsinniger Mensch ist. Einmal hat er uns ganz verzückt einen kleinen Baumzapfen gezeigt, den er im Hosensack trägt, um immer wieder über die Wunder der Natur staunen zu können.

Reyhan Kücüksarıoglan
Reyhan Kücüksarıoglan
Reyhan

Reyhan ist ausgebildete Handarbeitslehrerin und verheiratet mit Nuri. Reyhans Sohn Emre studiert an der Universität, ihr Nachzügler-Töchterchen Merve besucht die Primarschule. Reyhan ist die Schwester von Rüveyde Çanak und lebt wie sie in Konya. Lange konnte sie nicht auf ihrem Beruf arbeiten, weil sie nicht auf ihr Kopftuch verzichten wollte, wie sie es für eine staatliche Lehrerstelle hätte tun müssen. Vor kurzem hat sie eine neue Stelle an einer privaten Frauenfachschule gefunden.

Reyhan näht für uns wunderschöne Samt-Oberteile für den Orientalischen Tanz sowie ab und zu Blusen und verschiedene Kleinigkeiten. Wir schätzen ihre hochprofessionelle, sorgfältige Arbeit, ihre stets fröhliche Art und die grosszügige Bewirtung bei unseren Arbeitsgesprächen unter Frauen.

Ismail
Ismail
Ismail

Ismail ist verheiratet und lebt in Konya. Zusammen mit seinem Vater führt er eines der ältesten und letzten Holzdrechslerateliers in der Stadt. Er stellt Lauflernwagen für kleine Kinder her, Stühlchen und Tischbeine, vertreibt Holzlöffel, Gehstöcke und Küchenutensilien wie Wallhölzer. Auf Bestellung drechselt er auch Zierknöpfe für Kästen oder Griffe für Stempel.

Wir bewundern seinen eisernen Überlebenswillen in einer Welt voller Plastikspielzeug und versuchen jedes Mal, ihm wenigstens einen kleinen Auftrag für den Laden zu geben (z.B. für Wurfkreisel, Honigschöpfer oder Masslöffel) oder ihm für unsere privaten Bedürfnisse etwas abzukaufen.

Hacer Büyükzeytinci
Hacer Büyükzeytinci
Hacer

Hacer ist ausgebildete Werk- und Handarbeitslehrerin. Sie verlor nur wenige Jahre nach der Hochzeit ihren Mann, einen ehemaligen Geschäftspartner von Necati Çanak. Lange lebte sie zusammen mit ihrer Schwiegermutter, die früher ebenfalls kleine Häkel- und Näharbeiten für uns erledigte, und zog ihre Kinder alleine gross. Ihre Tochter Melek studiert heute Informatik, ihr Sohn Ali Bauingenieurwesen an der Universität in Konya.

Hacer näht für uns herzige Spielzeug-Mausis, häkelt kleine Beutelchen, Blüten und Garnpantoffeln und steht für allerlei Bastelarbeiten bereit. Wir schätzen ihre Fantasie, ihre Bereitschaft zum Experiment, ihre Bescheidenheit und ihr hohes Arbeitstempo. Auch sie häkelt Spitzenränder für die wunderschönen Handdrucktücher von Sonnhild Kestler.