Fanafillah-Herbstbrief 2025
Liebe Leserin, lieber Leser
das ist unser Herbstbrief im September 2025. Mit kleinen Herbstplänen und sommerduftenden Räucherkräutern, anatolischen Reisedaten und nomadischem Perlenzauber, türkischen Redewendungen und morgendlichen Veränderungen, mit der Suche nach einer Nachfolge für unseren Laden, mit einem nostalgischen Kaugummi, Fundstücken aus dem herbstlichen Wwwunderland und dem Rezept für ein tröstliches «Höşmerim» aus Mehl, Zucker und Rahm.
Wir wünschen Ihnen und Ihren Liebsten glückliche Spätsommertage.
Christina Ochsner Çanak und Necati Çanak
PS: Die Frage des Monats: «Möchten Sie unseren Laden übernehmen?»
Kleine Herbstpläne
Istanbul sehen und Familie umarmen. Neuem gegenüber offen bleiben. Vollkornbrot backen und die ersten eigenen Zwiebeln geniessen. Augenkissen und Schlüsselbänder nähen. Zufrieden sein. Reparieren statt neu kaufen. Die Nachbarin zum Essen einladen. Entdeckungsfahrten unternehmen. Radieschen und Nüsslisalat ansäen. Für andere da sein.
Sommerduftende Räucherkräuter
Zwischen den Gläsern mit Räucherwerk stehen neue Päckchen auf unserem Regal: Räucherkräuter aus unserem Bio-Garten. Zweige von Lavendel, Salbei, Rosmarin, Oregano, Minze, Ysop, Rainfarn oder Schafgarbe reinigen die Atmosphäre, schützen vor unguten Schwingungen und schenken energetische Kraft. Zudem duften sie angenehm und erinnern an heisse Sommertage zwischen Kräuterstauden.
Gestalten Sie Ihr eigenes Räuchergärtchen in einer weiten, mit Sand gefüllten Schale. Stecken Sie die Räucherkräuter hinein und legen Sie ein paar Steine, Schneckenhäuser, Talismane oder Ferienerinnerungen dazu. Dann können Sie die Kräuter einzeln oder nach Wunsch kombiniert mit einem Streichholz anzünden und verglimmen lassen. Viel Freude dran!
Mehr zu unserem Räucherwerk seiner Tradition und Anwendung finden Sie unter >Räucherwerk und Zubehör oder >Räuchertradition
Anatolische Einkaufsreisedaten
Vom Mittwoch, 24. September bis und mit Mittwoch, 15. Oktober, sind wir in Konya und Istanbul unterwegs und kaufen für Sie ein. Das sind zwei Tage länger als sonst, aber wir konnten keine anderen Flüge finden, die uns je 30 kg Freigepäck plus je 8 kg Kabinengepäck zugestanden hätten. Und die brauchen wir, um die gefundenen Waren mit uns nehmen und so die unglaublich teuer gewordenen Transportkosten wenigstens teilweise einsparen zu können.
Fanafillah bleibt in diesen drei Wochen geschlossen. Wir freuen uns, Sie ab Donnerstag, 16. Oktober, mit neuen Produkten und Geschichten wieder im Laden begrüssen zu dürfen.
Möchten Sie mitreisen? Dann klicken Sie sich doch ein wenig durch unsere Sammlungen unter >Einkaufsreisen. Die Reisebilder vom letzten Herbst und Frühling finden Sie direkt unter >Einkauf Herbst 2024 und in der neuen Galerie >Einkauf Frühling 2025.
Nomadischer Perlenzauber
Einst schmückten diese mit winzigen Perlen, Spiegelchen, Knöpfen und Muscheln bestickten Ornamente die traditionellen Frauentrachten der Kuchi-Nomaden in Afghanistan. Zusammen mit weiteren Stickereien, Silberteilen, Troddeln und Stoffamuletten bildeten sie – vorwiegend auf der Brustpartie – einen dichten Schutz vor dem Bösen Blick und anderen unguten Energien.
Warum sie von den Kleidern abgetrennt wurden und wie sie in die Hände unserer usbekischen Händler in Istanbul gelangt sind, wissen wir leider nicht. Aber wir finden die immer wieder anders gestalteten Amulette, die leuchtenden Farben äusserst dekorativ und das handwerkliche Geschick ungemein faszinierend. Und wir sind sicher, dass diese Perlenornamente ihren schützenden Zauber nach wie vor in sich tragen.
Die Rückseiten der Amulette haben wir mit Filz versäubert. So können Sie sie z.B. als Dekor und Glas- oder Topfuntersetzer auf dem Tisch verwenden oder aber ihnen mit einem einfachen Garn einen Aufhänger verpassen und sie an der Wand, neben dem Bett, an der Haustüre oder am Fenster aufhängen.
PS: Mehr über Amulette und ihre Schutzwirkung erfahren Sie in unserem Artikel >Magischer Schutz vor Bösem
Türkische Redewendungen
Das Türkische ist reich an Floskeln, standardisierten Erwiderungen und Kommentaren zu bestimmten Umständen oder in speziellen (Gesprächs-)situationen. Wer sie beherrscht und im richtigen Moment einsetzt, wird Staunen und Freude ernten und sich wünschen, dass es auch im Deutschen etwas Vergleichbares gäbe.
«Seni gördüm, daha iyi oldum» = «Ich habe dich gesehen und jetzt geht es mir besser» als Antwort auf die Frage «Wie gehts dir?»
«Gözün arkada kalmasın» = «Dein Auge soll nicht hinter dir zurückbleiben» im Sinne von «Mach dir keine Sorgen, du kannst mir vertrauen, ich kümmere mich darum.»
«Allah kalbine göre versin» = «Allah soll es deinem Herzen entsprechend geben» statt «Alles Gute». Als Wunsch beim Abschied oder für den Erfolg einer Tätigkeit.
«İyi ki varsın» = «Zum Glück gibt es dich», um jemandem seine Zuneigung auszudrücken.
«Başımızın üstünde yerin var» = «Du hast einen Platz über unseren Köpfen», um z.B. einem Gast seine Wertschätzung auszudrücken.
«Canın sağ olsun» = «Möge deine Seele gesund sein» statt «Ist schon o.k.», um bei einem Missgeschick zu betonen, dass das Wohlergehen eines Menschen wichtiger ist.
Weitere höfliche Sätzlein und schöne Redewendungen finden Sie im >Sommerbrief von 2016 (runterscrollen) oder auf dem Instagram-Profil >Türkische Wörter

Veränderter Morgen
Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert - und doch alles.
Kurt Tucholsky; aus dem Essay «Die fünfte Jahreszeit»

Gesuchte Nachfolge
Sind Sie bei diesem Zwischentitel grad ein wenig zusammengezuckt? Wir beim Schreiben auch. Es ist aber tatsächlich so, dass wir uns langsam aber sicher mit dem Gedanken vertraut machen möchten, unser Fanafillah irgendwann in andere Hände zu übergeben – oder dann für immer zu schliessen. Wir sind mittlerweile 65 und 72 Jahre alt und haben die vergangenen 33 Jahre all unsere Kraft und Energie in den Laden gesteckt. Jetzt vermuten wir, dass es auf der Welt auch noch andere Dinge gibt, für die es sich zu engagieren und zu leben lohnt. Angedacht ist Ende 2026, also in rund eineinhalb Jahren.
Wir suchen deshalb eine:n oder mehrere Nachfolger:innen, die den Laden so (oder wenigstens so ähnlich) weiterführen, wie er jetzt ist. Mit Herzblut und Sachverstand. Mit Interesse an der Türkei und dem Orient, an Kunst, Kultur und Handwerk – und natürlich an den Menschen hier und dort. Mit der Fähigkeit, die eigene Begeisterung weiterzugeben. Mit ein bisschen Redegewandtheit, um Kund:innen die Geschichten hinter den Produkten zu erzählen. Mit der Bereitschaft, auch die administrativen Aufgaben zu übernehmen, die Selbstständigkeit halt mit sich bringt. Und mit Biss und Durchhaltewillen, um Fanafillah zu bewahren und gleichzeitig in die Zukunft zu führen und zu etwas Eigenem zu machen.
Wenn Sie sich angesprochen fühlen, wild entschlossen sind, noch unsicher oder einfach nur neugierig, dann nehmen Sie doch mit uns Kontakt auf. Direkt im Laden oder per Mail unter info@fanafillah.ch. Vielleicht kennen Sie ja auch jemanden, der unserem Profil entspricht und Interesse hat. Wir werden alles dafür tun, unsere Nachfolger:innen sorgfältig einzuführen, sie vor Ort in Istanbul mit unseren Händlern bekannt zu machen, alles Administrative zu erklären und bei auftauchenden Fragen Lösungen zu finden. Die Mietbedingungen sind ungemein anständig und scheinen das für die nächsten rund 10 Jahre auch zu bleiben. Wir freuen uns auf Ihr Interesse!
Mehr über uns, den Laden, unsere Kund:innen und Reisen erfahren Sie in den Unterkapiteln von >Über uns.
Nostalgischer Kaugummi
1947 gründeten zwei Griechen in Istanbul eine Schokoladenfabrik. Alles war bereit für die Produktion, nur ein Name fehlte noch. Sie fragten ihre aus Paris stammende, dunkelhäutige Grafikerin um Rat. Ihre Idee für die schönen Pralinen: «Ma belle». Seither heisst die Firma «Mabel» – und der Namengeberin zu Ehren schmückt ein «arap kızı» (ein dunkelhäutiges, «arabisches» Mädchen) das Firmenlogo. >Firmengeschichte
Mabel produziert nach wie vor hochwertige Schokolade – und einen Kaugummi, der bei Millionen Türkinnen und Türken Kindheitserinnerungen weckt. Wir kaufen die liebevoll verpackten Minz-«sakızı» seit vielen Jahren schachtelweise in Istanbul und verkaufen sie einzeln für 50 Rappen an grosse und kleine, hell- und dunkelhäutige Liebhaber:innen.
Herbstliches Wwwunderland
Hier versammeln wir ein paar bunt gemischte Fundstücke aus dem Internet, die uns in den vergangenen Monaten aufgefallen sind und Freude bereitet haben. Nicht sehr orientalisch, zugegeben, aber sehr «Wir». Viel Vergnügen!
Ernten
>Samentütchen falten Bewahren oder verschenken Sie ein bisschen Sommer. Basteln Sie aus schönem Altpapier ein Zuhause für Ihre gesammelten Blumen- und Kräutersamen, beschriften Sie alles sorgfältig und machen Sie sich und anderen Freude fürs nächste Jahr.
Schwelgen
>Bobby's lovin' touch Bianca Locatelli und Nils Andrén faszinieren mit tänzerischer Fantasie und Perfektion und bezaubern mit Witz und Charme. So möchte man auch tanzen können – oder wenigstens den Swing ... äh den Schwung mit in die dunklere Jahreszeit mitnehmen. Auch toll >Hey Baby und Dickies Dream am >Athens Rhythm Hop.
>Bab' Aziz Vor 20 Jahren kam Nacer Khemirs träumerisch schöner Film in die Schweizer Kinos. Er schildert in der Tradition von 1001 Nacht die Reise eines blinden alten Weisen und seiner lebensfrohen Enkelin durch die Wüste zu einem Derwischtreffen, das nur alle 30 Jahre stattfindet. Ihre Begegnungen, Gespräche und Gedanken werden untermalt von ganz wunderbarer Musik des Komponisten Armand Amar. Sie bewegt uns heute noch, und wir lassen sie häufig als Hintergrundmusik im Laden laufen. Hier finden Sie den >Soundtrack.
Bewegen
>Gabi Fastner Sie wollen sich mehr bewegen und etwas für die Gesundheit tun? Sie haben aber keine Lust auf Fitnessstudios, schwere Maschinen und schwitzendes Publikum? Dann machen Sies wie wir und turnen Sie zu Hause vor dem Bildschirm. Die Pensionierung hat uns Zeit geschenkt für regelmässige «Treffen» mit Gabi auf dem Mätteli oder im Stehen, mit oder ohne Hanteln, bei Pilates, Yoga oder Fitness – ganz nach Lust und Laune. Die unaufgeregte, sympathische Gymnastiklehrerin stellt seit vielen Jahren für mittlerweile fast eine Million Abonnent:innen Videos ins Netz, die Sie ganz nach Ihren persönlichen Bedürfnissen kostenlos anwählen können. Viel Spass!
Lernen
>Horizonte-Forschungsmagazin Während der 37 Arbeitsjahre im Amt für Jugend und Berufsberatung kamen die wissenschaftlichen Magazine der Universitäten frei Haus ins Büro. Mittlerweile kommen sie kostenlos nach Hause oder wir lesen sie online. Grossartig, so über die aktuelle Forschung und Erkenntnisse der Wissenschaft informiert bleiben zu können. Weitere Wissenschaftsmagazine: >UZH Magazin Uni Zürich, >Uni Aktuell Bern, >Uninova Uni Basel
Nachlesen
>www.fanafillah.ch Auf unserer Website und ihren fast hundert Unterseiten erzählen wir Ihnen Wissenswertes über uns und unsere Waren, ihre Herkunft und Verwendung. Daneben gibts Rezepte, thematisch geordnete Linklisten und diverse Fotogalerien. Unseren Instagram-Account betreiben wir unter @fanafillah_zurich. Besuchen Sie uns doch mal. Wir stellen regelmässig einzelne Produkte vor und gewähren Einblick in unseren privaten Orient.
Tröstliches Höşmerim
«Höşmerim» schmeckt nach Zuhausesein. Die unwiderstehliche, süss-aromatische Masse besteht aus langsam geröstetem Mehl, Rahm und Zucker und gehört in die grosse Familie der Helva-Speisen. Es existieren verschiedene Varianten dieses Mehl-Helvas.
Für uns war das Höşmerim unserer Schwägerin Rüveyde 35 Jahre lang jedes Mal der kulinarische Höhepunkt unseres Konya-Aufenthaltes. Anfang Jahr ist unsere Freundin und Weggefährtin gestorben. Wir erinnern uns in Dankbarkeit an viele glückliche Stunden in ihrer Obhut und an ihrem Tisch. Wir haben uns bei ihr immer zu Hause gefühlt.
Zutaten für 4-6 Portionen:
250 g «Kaymak» oder Double Crème (Doppelrahm)
50 g Butter
8 EL Mehl
1 Glas (ca. 2 dl) Zucker
1 Glas Milch
Zubereitung: Das Mehl langsam und unter stetem Rühren in Butter und Rahm rösten, bis es mittelbraun ist und angenehm duftet. Dann die Milch darübergeben und weiterrühren. Wenn sie eingezogen ist, den Zucker daruntermischen. Das Höşmerim auf einem Teller anrichten und mit Löffel, Gabel oder anderem Gerät ein hübsches Muster in die Masse drücken. Nach Belieben mit Nüssen, geriebenen Pistazien oder etwas gemahlenem Kokos bestreuen und warm servieren. Traditionell isst man Höșmerim gemeinsam aus einem Teller.
Weitere süsse Speisen finden Sie im Artikel >Soulfood aus Milch, Früchten und Getreide in unserer Rubrik >Rezepte.

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