Fanafillah-Sommerbrief 2025
Liebe Leserin, lieber Leser
das ist unser Sommerbrief im Juni 2025 – der vierzigste übrigens nach zehn Newsletterjahren. Mit Plänen für die warme Zeit und frohem Vogelgezwitscher, den Bildergalerien unserer Einkaufsreisen und einer entspannenden Muskelsalbe, mit Dichterworten und Gedanken zu Krisen, mit kühlenden Fächern und praktischen Röhrchen, mit Fundstücken aus dem Wwwunderland und dem Rezept für eine erfrischende kalte Joghurtsuppe.
Wir wünschen Ihnen und Ihren Liebsten unbeschwerte Tage in Sonne und Schatten.
Christina Ochsner Çanak und Necati Çanak
PS: Unsere Lieblingsfrage des Monats: «Haben Sie Schwimmnudeln?»
Sommerpläne
Freundschaften pflegen. Im Garten zeichnen. Sitznachbar:innen zulächeln. Vertrauenswürdig und verlässlich bleiben. Handarbeitsprojekte umsetzen. Dankbar sein. Trotz Mäusen auf Kartoffelernte hoffen. Wäsche in der Sonne trocknen lassen. Endlich mal wieder picknicken. Sich an kleinen Dingen freuen. Unerledigtes anpacken. Im Lindenblütenduft ertrinken. Nichts tun und glücklich sein.
Zwitschervogelfreude
Mit diesem Ding kann man zwitschern wie ein Vögelchen. Einfach etwas Wasser einfüllen und liebevoll rhythmisch reinblasen (>so gehts). Die sich so verändernden Luft- und Wassersäulen erzeugen einen täuschend echten Natursound. Mit einigen Pausen – weil wir sie nicht immer finden – gibts die netten Pfeifchen für Fr. 5.-- schon seit vielen Jahren bei uns. Zurzeit können wir ein ganzes Körbchen voll in vielen Farben anbieten. Gerne erinnern wir uns an eine Grossmutter, die für ihren Enkel eins kaufte. Der Junge sei überzeugt, dass sie mit den Vögeln sprechen könne. Drum wolle sie ihm, der noch nicht pfeifen könne, jetzt auch die Möglichkeit zur Vogel-Zwiesprache schenken.
Als ungewöhnliche Sprache werden Pfeiflaute übrigens seit etwa 400 Jahren im nordtürkischen Kuşköy (= Vogeldorf) verwendet. Diese kuş dili (= Vogelsprache) übersetzt einzelne türkische Silben in verschiedene Töne, die dann zu Wörtern zusammengesetzt werden. Frauen, Männer und Kinder unterhalten sich so über teilweise kilometerweite Strecken, was in den hügeligen Haselnuss- und Teeplantagen vor der Erfindung des Telefons lange Wege ersparte. Seit 2017 gehört die Vogelsprache, die nur noch von etwa 10'000 Pfeifenden beherrscht wird, zum Unesco-Kulturerbe und in Kuşköy wird sie in einer eigenen Schule unterrichtet, um sie vor dem Aussterben zu bewahren. >Wikipedia-Eintrag «Kuş Dili» (deutsch), >Die Kunst des Pfeifens, >Doğu Karadenizin Islık Dili
Einkaufsbildergalerien
Seit 33 Jahren fahren wir jeden Frühling und Herbst nach Anatolien und Istanbul, um neue Waren für Fanafillah zu suchen, unsere Händlerkontakte lebendig zu halten, in Werkstätten mehr über bestimmte Produkte zu erfahren, Neues zu konzipieren, Aufträge zu erteilen und natürlich mit Familie und Freunden zusammenzusitzen. Und seit 10 Jahren veröffentlichen wir unsere Abenteuer – mit je einem kleinen, zusammenfassenden Text – in Fotogalerien auf unserer Website.
Möchten Sie mitreisen? Dann klicken Sie sich doch ein wenig durch unsere Sammlungen unter >Einkaufsreisen. Die Reisebilder vom letzten Herbst finden Sie direkt unter >Einkauf Herbst 2024, die von unserer Reise im Frühling 2025 haben es leider noch nicht ins Netz geschafft. Wir arbeiten dran ...
Muskelentspannung
Zu viel im Garten gearbeitet? Zu heftig mit dem Fächer gewedelt? Beim Sport was überdehnt? Verkrampfte Schultern vom Büro? Kopfschmerzen? Dann hilft Ihnen vielleicht unsere Muskelsalbe weiter. Sie wärmt müde Muskeln, entspannt und erfrischt. Die Rezeptur entwickelten wir mit unserer Heilpraktikerin und Kräuterexpertin Azize in Konya. Hergestellt haben wir die Salbe dann hier: mit Rosmarin und Bienenwachs aus unserem biologisch bewirtschafteten Gemeinschaftsgarten in Wollishofen, mit Bio-Rapsöl aus der Schweiz sowie Mentholkristallen und ätherischem Lavendelöl aus Istanbul. Ein Töpfchen mit rund 50 Gramm Inhalt kostet Fr. 7.-- und hält sich an einem schattigen Ort mindestens ein Jahr. Gute Besserung!
Paradieshauch
O Sommerfrühe blau und hold!
Es trieft der Wald von Sonnengold,
In Blumen steht die Wiese;
Die Rosen blühen rot und weiß,
Und durch die Fluren wandelt leis
Ein Hauch vom Paradiese.
Emanuel Geibel (1815-1884)
Multikrisenpause
Das Leben scheint manchmal einfach nur schwierig und unbegreiflich: Wahnsinnige regieren die auseinanderbrechende Welt, Bomben bringen Tod und Verwüstung, fehlgeleitete Spinner erschiessen Menschen, ein Vergewaltiger vermietet seine betäubte Ehefrau, Banken zerbröseln, Gesellschaften und Berge rutschen in die falsche Richtung, die Klimakrise nagt an der Lebensfreude. Daneben begräbt man seine privaten Träume im hektischen Alltag: Das Baby oder die alternden Eltern brauchen Betreuung, geliebte Menschen sind krank oder sterben, Jugendliche zweifeln an ihrer Zukunft, man selber zerreisst sich zwischen Job und Familie oder sucht nach der Pensionierung nach sinnvollen Zielen.
Ist es angesichts dieser weltweiten Krisen und privaten Probleme tatsächlich noch angebracht, über zwitschernde Vögelchen, sonnengoldene Wälder oder Dill in der Joghurtsuppe zu schreiben? Das haben wir uns beim Zusammenstellen dieses Newsletters immer wieder gefragt. Und sind zum Schluss gekommen: Ja, jeder Mensch braucht ab und zu eine Pause von all dem Üblen und Schwierigen ringsherum. Ein Glas Tee, ein Kaffeeschwatz mit einer Freundin, ein Gang durch den Garten, ein Kinderlachen, Tanzen in Gemeinschaft, eine Katze auf dem Schoss, ein gutes Buch oder vielleicht auch ein Newsletter bieten Gelegenheit dazu. Wie schrieb Hans Christian Andersen: «Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man auch haben.»
So findet man Kraft und Energie, um in der eigenen kleinen Welt zu verändern, was man in der grossen nicht schaffen kann – und sich dadurch nicht ganz so hilflos zu fühlen. Ideen gäbe es viele: ehrenamtlich arbeiten, einen biodiversen Garten pflegen, Kinder zu verlässlichen Frauen und Männern erziehen, bei Ungerechtigkeit Zivilcourage zeigen, Ansprechperson sein, Verantwortung übernehmen ...
PS: Im Tagesanzeiger hat sich kürzlich ein Journalist ganz ähnlich überlegt, >Warum Ricotta-Rezepte unsere Demokratie erhalten.
Fächerkühle
Eleganter kann man sich in heissen Zeiten nicht kühlen: man zieht den Fächer aus der Tasche, faltet ihn auf und erzeugt durch leichtes Bewegen der Hand bzw. des Unterarmes einen angenehm erfrischenden Luftstrom.
Physikalisch geht es bei der erwedelten Kühlung um die so genannte Verdunstungskälte. Bei Hitze bildet sich Schweiss auf der Haut. Dieser Schweiss verdunstet, d.h. die Feuchtigkeit wird von der umgebenden Luft aufgenommen. Für diesen Vorgang ist Energie nötig, die dem Schweiss und der Haut in Form von Wärme entzogen wird. Dadurch werden der Körper gekühlt und die Körpertemperatur reguliert.
Der Fächer beschleunigt einerseits den Abtransport der feuchten Luft und führt andererseits ständig neue, trockenere Luft zu. Das verstärkt den Kühleffekt. Am besten leiten Sie den Luftstrom auf Brust und Hals oder auf die Innenseite der Unterarme. Noch kühler wird es, wenn Sie diese Körperstellen vorher benetzen.
Bei Fanafillah finden Sie verschiedene Modelle: filigran durchbrochene Holzfächer für Fr. 10.-- (vgl. Foto), Stofffächer mit Kunststoffstäbchen für Fr. 12.-- und 15.-- sowie vorne und hinten handbemalte und lackierte Holzfächer für Fr. 25.--.
Weitere Hitzetipps: Hände und Handgelenke unters kalte Wasser halten, anschliessend Ohren mit den kühlen, nassen Händen abreiben. Luftige Unterhemden aus dünnen, saugfähigen Stoffen tragen. Lauwarmen Tee trinken. Kommen Sie gut durch die heissen Tage!
Wunderröhrchen
Mögen Sie Zitronensaft an Ihrem Essen oder im Tee? Dann könnte Ihnen diese praktische Zitronenpresse für Fr. 5.-- gefallen: Gelbe Schale der Zitronenspitze abschneiden, das Röhrchen in die Zitrone schrauben, Zitrone zusammendrücken und den Saft ohne die lästigen Kerne ausgiessen. Am besten funktioniert das Ganze mit dünnschaligen Zitronen, die man vorher etwas über den Tisch rollt. Die Zitrone lässt sich mit dem Röhrchen darin im Kühlschrank aufbewahren, bis auch der letzte Tropfen herausgepresst ist.
Wie wir zu ersten Mal von diesem praktischen Ding in Istanbul erfahren haben, lesen Sie unter >Saft aus dem Wunderröhrchen auf unserer Website.
Sommerwwwunderland
Sonnentrunken
>Layers Ein souliger Worldpopsong der Sängerin >Naika über die Schichten aus Kultur, Tradition und Erfahrungen, die uns wärmen und zu dem machen, was wir sind. Auch schön: >Ma Chérie oder >Oh Mama
>Beautiful Tango Eine nostalgische Ballade der marokkanisch-französischen Songwriterin Hindi Zahra für träumerische Sommerabende.
>Gülbahar Ein melancholischer Rembetiko-Klassiker von Vasilis Tsitsanis (1915-1984), interpretiert von der türkisch-griechischen Musikgruppe Café Aman Istanbul.
Kulinarisch
>Wassermelone schneiden Wie sie die grosse, unhandliche Kugel (oder auch kleinere Stücke) in adrette Würfel schneiden, erfahren Sie in diesem Video. Sie können es aber auch >auf diese Weise machen, oder auch auf eine dieser >20 Arten.
>Aprikosen Die Saison ist eröffnet! Die goldgelb-orangen Früchte lassen sich zu vielerlei Süssem und Salzigem verarbeiten. NZZ-Bellevue-Redaktion hat dafür 12 Rezepte zusammengestellt. Übrigens: Walliser Aprikosen in Ehren, aber der weltweit grösste Aprikosenproduzent ist die Türkei. Falls Sie noch nie frische «şekerpare»-Aprikosen probiert haben, müssen Sie das unbedingt nachholen. Zurzeit liegen die unscheinbaren kleinen «Zuckerstückchen» bei einigen türkischen Lebensmittelhändlern im Angebot und machen mit ihrer unvergleichlichen Süsse ihrem Namen alle Ehre. Die Kerne kann man mit einem Stein o.ä. aufklopfen und das Innere essen.
>Sebze – Gemüse auf Türkisch In Buchhandlungen liegt das neue Kochbuch grad überall auf. Die türkische Foodautorin und Köchin >Özlem Warren hat sich vom reichen kulinarischen Schatz ihrer Heimat inspirieren lassen und 85 klassische, vegetarische Rezepte zusammengestellt – vom Frühstück über Gebäck, Suppen, Vorspeisen und Salate bis hin zu Streetfood, Hauptspeisen, Eingemachtes und Desserts. Die schönen Bilder machen Lust auf mehr.
>Türkische Eiscrème Lernen Sie mehr über die berühmte Glacé von Kahramanmaraş. Das Original besteht aus Milch von Ziegen, die würzige Kräuter fressen, Zucker und dem wertvollen Pulver aus der Knolle einer endemischen Orchidee (>Salep), das die Masse andickt. Serviert wird das Eis im Cornet oder als Scheibe auf einem Teller mit Messer und Gabel. Mmmmm...
Informativ
>www.fanafillah.ch Auf unserer Website und ihren fast hundert Unterseiten erzählen wir Ihnen Wissenswertes über uns und unsere Waren, ihre Herkunft und Verwendung. Daneben gibts Rezepte, thematisch geordnete Linklisten und diverse Fotogalerien. Unseren Instagram-Account betreiben wir unter @fanafillah_zurich. Besuchen Sie uns doch mal. Wir stellen regelmässig einzelne Produkte vor und gewähren Einblick in unseren privaten Orient.
Ayransuppenfrische
Es ist heiss, Sie haben weder Zeit noch Lust, lange in der Küche zu stehen, sollten aber trotzdem irgendwas essen. Möglichst was Feines und Erfrischendes. Dann ist diese türkische Ayran-Suppe («ayran aşı») genau des Richtige. Aus vorgekochten und kalten Zutaten schnell zusammengerührt und abgeschmeckt, irgendwie nahrhaft, aber doch leicht und frisch. Probieren Sies aus. Und experimentieren Sie. Falls doch was übrig bleibt, können Sie die kalte Joghurtsuppe 2-3 Tage im Kühlschrank aufbewahren.
Zutaten für 4 Portionen
• 500 g türkisches oder griechisches Naturejoghurt
• 1 Liter eiskaltes Wasser (oder etwas mehr)
• 1 Tl Salz
• schwarzer Pfeffer
• 1 Glas gekochter Weizen (z.B. Ebly)
• 1 Glas bzw. 1 kleine Dose gekochte Kichererbsen
• etwas geriebene oder fein gewürfelte Salatgurke
• Dill (evtl. wenig Minze und Basilikum)
• 1 EL Olivenöl
Zubereitung
Joghurt in einer weiten Schüssel mit Wasser und Salz gut vermischen, dann Weizen, Kichererbsen und Gurke zugeben, mit Pfeffer, frischem Dill und evtl. weiteren Kräutern abschmecken. Am Ende das Olivenöl darübergeben. Kalt servieren.
Tipps
Wenn Ihnen die Suppe schmeckt, können Sie Weizen und Kichererbsen mit gekochten Bohnen oder Linsen oder Maiskörnern ergänzen oder ersetzen, mit Paprika oder Pfeffer mehr Schärfe geben oder andere Kräuterkombinationen ausprobieren. Auch geröstete Brotwürfelchen machen sich gut darin. Es ist dann nicht mehr original, aber ebenso fein. Afiyet olsun!

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