Islamische Feiertage

an Feiertagen besuchen sich die Familienmitglieder gegenseitig

Ramadan, Feste und Heilige Nächte

Der Islam kennt zwei grosse Feste, dazu den Fastenmonat Ramadan und fünf Heilige Nächte. Sie werden nach dem Mondkalender berechnet und verschieben sich dadurch jedes Jahr um rund zehn Tage im Jahr nach vorne. Etwas aber bleibt sich gleich: Religiöse Feiertage sind immer auch Familientage.

 

Das Ramadan- und das Opferfest sind für Musliminnen und Muslime das, was für uns Ostern und Weihnachten sind: religiös und traditionell begründete Feiertage, die mit der Familie begangen werden. Dem festtäglichen Geschenketaumel allerdings sind die Menschen in der Türkei - wenigstens die, die wir kennen - noch nicht verfallen, auch wenn die Kinder zu den Festen vielleicht ein Paar neue Schuhe oder Hosen und viel Zuckerzeug bekommen.

Die öffentlichen Verwaltungen, Banken und die meisten Geschäfte sind während der Feiertage (mindestens während dem ersten Tag) in islamischen Ländern in der Regel geschlossen, evtl. auch Museen und Restaurants. Achten Sie beim Planen einer Reise darauf (vgl. Feiertagsdaten in der Randspalte).

Mindestens so wichtig wie die zwei grossen Festtage ist der Monat der Enthaltsamkeit: der Ramadan.

Ramadan
Unsere Familie beim gemeinsamen Nachtessen

Im einen Monat lang dauernden Ramadan versuchen die muslimischen Gläubigen von Sonnenauf- bis -untergang enthaltsam zu leben. Sie essen, trinken und rauchen nicht, vermeiden Geschlechtsverkehr, böse Gedanken und Äusserungen. So trainieren sie ihre Selbstkontrolle, stärken ihren Geist, vergrössern ihr Mitgefühl für Hungernde und hoffen, ihre Seele zu reinigen. Die palästinensische Bloggerin Sawsan nennt es «a spiritual and moral boot camp. Fasting teaches you that if you set your mind to it, you can do anything.» (>chefindisguise.com)

Das Alltagsleben läuft in dieser Zeit etwas langsamer und gedämpfter ab als sonst, vor allem wenn der Ramadan wie jetzt und in den folgenden Jahren in die heissen Sommermonate fällt. Vor Sonnenaufgang treffen sich verschlafene Familienmitglieder zu Hause, aber auch Arbeitskollegen mit Frühschicht, Reisende und andere Nachtschwärmer draussen in Restaurants zu einem wirklich frühen Frühstück. Beliebt sind im Sommer vor allem Wassermelonen, Schafskäse, Oliven und Weissbrot, dazu natürlich Tee und möglichst viel Wasser. Nach dem anschliessenden Morgengebet kriechen die Glücklichen noch einmal unter die Decke, die anderen gehen zur Arbeit.

Die Abendessen nach Sonnenuntergang werden gerne gemeinsam mit Familie und Freunden eingenommen. In grossen Städten der Türkei gibts täglich an vielen Standorten kostenlose, von Gemeinden oder Einzelpersonen gesponserte Mahlzeiten in riesigen Zeltrestaurants oder unter freiem Himmel für all diejenigen, die nicht daheim essen können oder wollen. In Istanbul werden seit einigen Jahren in einzelnen Quartieren ganze Strassenzüge gesperrt, um bis zu je 40'000 Menschen die Gelegenheit zu geben, miteinander das Fasten zu brechen und in einer Art Volksfest die endlich wieder kühleren Abendstunden zu geniessen. Falls Sie je als Tourist/in im Ramadan in einem muslimischen Land sind, lassen Sie sich diese Atmosphäre nicht entgehen.

Übrigens: Das Weglassen von Mahlzeiten, das so genannte «intermittierende Fasten» ist gesünder als man denkt. Einen interessanten Artikel dazu findet sich im Gesundheitsteil des >Beobachters. Und: Es wird während des Ramadan-Abendessens nicht so üppig geschlemmt, wie es uns die Medien jedes Jahr gerne weis machen. Aber es werden gerne viele verschiedene Häppchen und Gerichte aufgetischt, aus denen sich jeder aussuchen kann, worauf er nach den langen Fastenstunden (im Sommer sind es bis zu siebzehn) am meisten Lust hat.

Das Ramadanfest
zufälliges Familientreffen

Mit dem Beginn des neuen Monats Schawwal, den man durch die Sichtung der neuen Mondsichel festlegt, feiert man das dreitägige Fest des Fastenbrechens (ramazan bayramı bzw. arabisch Eid al-fitr). Die Festlichkeiten beginnen frühmorgens mit dem obligatorischen Gemeinschaftsgebet, nachdem man die pflichtmäßige Spende, die Almosensteuer des Fastenbrechens (zekat bzw. zakat al-fitr) spätestens am 1. Schawwal an Bedürftige entrichtet hat.

Anschliessend trifft man sich zu einem gemütlichen Frühstück, dem ersten bei Tageslicht seit einem Monat. So gestärkt macht man sich auf, Familienmitglieder und Freunde zum Fest zu besuchen. Am ersten Tag werden v.a. Leute besucht, die älter als man selber sind, d.h. je älter man ist, desto eher kann man an diesem Tag zu Hause bleiben und auf Besuch warten. Am zweiten und dritten Tag werden die Besuche erwidert. Das alles passiert in der Regel ohne zeitliche Abmachung. Wenn man bei jemandem vergebens läutet, hinterlässt man eine Karte.

Die Besuche dauern meist nicht länger als eine halbe Stunde, weil jeder ja noch diverse weitere zu erledigen hat und dazwischen für eigene Besucher ja auch mal zu Hause sein sollte. Man setzt sich schnell in den Salon, erhält ein Getränk und Süssigkeiten, wird genötigt, Schokolade und Bonbons und Zuckermandeln einzupacken. Kinder erhalten kleine Geschenke oder Taschengeld. Ein paar Höflichkeiten werden ausgetauscht und schon zieht man weiter. Alles ein bisschen anstrengend, aber auch irgendwie lustig und schön. Nicht selten trifft man nämlich die Verwandten, die man eben besucht hat, ein paar Türen weiter bei einem nächsten Verwandten wieder.

Das Opferfest
Necati beim Fleischkochen auf dem Dorf

Das Opferfest (kurban bayramı bzw. arabisch Eid al-Adha) ist der Höhepunkt der Pilgerfahrt nach Mekka und das wichtigste Fest im Islam. Muslime auf der ganzen Welt erinnern sich an die (übrigens auch den Christen und Juden bekannte) Überlieferung, nach der der Prophet Ibrahim (Abraham) aus Liebe und Vertrauen zu Gott sogar bereit war, seinen Sohn Ismail (Isaak) zu opfern. Im letzten Moment schickte Allah einen Engel, der ihn von der Tat abhielt. Ibrahim opferte schließlich im Kreis von Freunden und Bedürftigen einen Widder.

Wer finanziell in der Lage ist, schlachtet im Gedenken an diese Geschichte und als religiöse Pflicht auch heute noch ein Tier bzw. lässt die Sache einen Metzger erledigen. Ein Drittel des Fleisches geht an die Familie, ein Drittel an die Verwandtschaft und ein Drittel an Bedürftige. Es ist auch möglich, einen entsprechenden Geldbetrag in ein Land zu überweisen, in dem Armut herrscht. Dort werden die Tiere dann im Namen des Geldgebers geschlachtet und an Hungrige verteilt.

Das Fest dauert vier Tage, wobei der erste Tag in der Regel damit zugebracht wird, das Fleisch zu verarbeiten. Dabei wird «from nose to tail» wirklich alles verwendet - aus Respekt und Dankbarkeit dem Tier gegenüber (bei dem man sich vor der Schlachtung übrigens mit einem Gebet bedankt) und um nichts von dem Opfer zu vergeuden. Früher war es für viele Familien wohl für lange Zeit das einzige Fleisch auf dem Teller.

Die folgenden drei Tagen sind traditionellerweise wie beim Ramadanfest dazu da, sich gegenseitig hin und her zu besuchen. Man geht zu Familienmitgliedern und Nachbarn, zuerst zu den Älteren und dann umgekehrt zu den Jüngeren, wird mit Kaffee, Tee, Fruchtsaft und Süssigkeiten bewirtet, plaudert eine halbe Stunde und zieht dann weiter. Besonders schön finden wir es, in diesen Tagen Alten, Armen und Kranken mit einem Besuch eine Freude zu machen.

Seit ein paar Jahren ist es allerdings auch in der Türkei üblich geworden, über die Feiertage irgendwohin in die Ferien zu fahren - sehr zum Missfallen der älteren Generation. Schulen und staatliche Einrichtungen sowie viele Geschäfte sind geschlossen und das Land verfällt in eine kollektive hektische Reiselust ähnlich wie die Schweiz an Ostern.

Die fünf Heiligen Nächte
eine Heilige Nacht in der Sultanahmet Moschee in Istanbul

Die so genannten Kandil-Nächte erinnern an die wichtigsten religiösen Ereignisse und werden in den Moscheen mit besonderen Gebeten und Lesungen aus dem Koran gefeiert. Auf Alltag und Geschäftsleben haben sie in der Regel keinen Einfluss. Der Name «kandil» ist wohl zurückzuführen auf die Tradition, während der Heiligen Nächte die Moscheen mit Lampen (lateinisch «candela») zu schmücken. Auch die Kandil-Nächte richten sich nach dem Mondkalender und verschieben sich im Laufe der Jahre nach vorne. Die Daten der nächsten Jahre finden Sie in der Randspalte rechts.

Mevlid Kandili, in der 12. Nacht des Monats Rebiulevvel:
Geburt des Propheten Muhammed (S.A.V.)

Regaib Kandili, in der ersten Freitagnacht des Monats Recep:
Nacht der Wünsche

Mirac Kandili, in der 27. Nacht des Monats Recep:
Himmelsreise des Propheten Muhammed (S.A.V.)

Berat Kandili, in der 15. Nacht des Monats Saban:
Nacht der Vergebung: Die Gläubigen legen Rechenschaft für ihre Taten ab und bitten Allah um Vergebung.

Kadir gecesi: in der 27. Nacht des Monats Ramazan:
Offenbarung der ersten Koran-Sure